Datenbanken beim Hoster: MySQL, MariaDB und PostgreSQL
Herkunft und Unterschiede von MySQL und MariaDB, wann PostgreSQL die bessere Wahl ist und welche Datenbank-Angaben im Hosting-Tarif wirklich zählen.
Für die meisten Websites stellt sich die Datenbankfrage gar nicht, weil die Anwendung sie beantwortet: WordPress, WooCommerce, Joomla und Shopware laufen mit MySQL oder MariaDB, und beide sind im Webhosting Standard. MariaDB ist eine Abspaltung von MySQL und im Alltag weitgehend austauschbar. PostgreSQL ist ein eigenständiges System, das vor allem bei Eigenentwicklungen, Frameworks außerhalb von PHP und speziellen Datenanforderungen gefragt ist. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede und worauf Sie im Tarif achten. Mehr zu den Bausteinen eines Hosting-Pakets finden Sie im Webhosting-Ratgeber.
Wozu eine Website eine Datenbank braucht
Ein Content-Management-System speichert Inhalte nicht als einzelne HTML-Dateien, sondern in Tabellen: Seiten, Beiträge, Benutzer, Kommentare, Einstellungen, bei Shops zusätzlich Produkte, Bestellungen und Kunden. Bei jedem Seitenaufruf fragt die Anwendung die passenden Datensätze ab und baut daraus die Seite. Deshalb hängt die Geschwindigkeit dynamischer Websites stark davon ab, wie schnell die Datenbank antwortet. Rein statische Websites brauchen keine Datenbank.
MySQL und MariaDB: gemeinsame Wurzeln
MySQL ist eines der am weitesten verbreiteten relationalen Datenbanksysteme im Web. Nachdem MySQL über die Übernahme von Sun Microsystems zu Oracle gelangt war, startete einer der ursprünglichen MySQL-Entwickler mit MariaDB eine quelloffene Abspaltung. MariaDB blieb lange als direkter Ersatz angelegt: gleiche Befehle, gleiche Werkzeuge, gleiche Dateiformate für typische Tabellen. Viele Linux-Distributionen liefern heute MariaDB als Standard aus, viele Hoster ebenfalls.
Mit den Jahren haben sich beide Systeme in Details auseinanderentwickelt. Für ein CMS spielen diese Unterschiede selten eine Rolle, für eigene Anwendungen können sie relevant werden.
| Aspekt | MySQL | MariaDB |
|---|---|---|
| Herkunft | Ursprüngliches Projekt, heute bei Oracle | Abspaltung von MySQL, getragen von einer Stiftung und einem Unternehmen |
| Lizenz | Community Edition quelloffen, zusätzlich kommerzielle Editionen | Quelloffen |
| Kompatibilität | Referenz für viele Anwendungen | Für typische Webanwendungen kompatibel, bei neueren Funktionen teils abweichend |
| Anmeldung | Neuere Versionen nutzen standardmäßig ein anderes Authentifizierungsverfahren als ältere | Eigene Standardverfahren, ältere Clients oft problemlos |
| JSON | Eigener JSON-Datentyp | JSON wird anders intern abgebildet, Funktionen weitgehend vorhanden |
| Verbreitung im Hosting | Sehr hoch | Sehr hoch, häufig Standard im Shared Hosting |
Die Anmeldefrage ist in der Praxis der häufigste Stolperstein: Ältere PHP-Erweiterungen oder Werkzeuge können sich unter Umständen nicht mit neueren MySQL-Versionen verbinden, wenn das Authentifizierungsverfahren nicht passt. Aktuelle PHP-Versionen kommen damit zurecht.
PostgreSQL: der eigenständige Weg
PostgreSQL ist ein eigenständig entwickeltes, quelloffenes Datenbanksystem mit langer Geschichte. Es gilt als besonders standardnah und bringt Funktionen mit, die in vielen Projekten den Ausschlag geben:
- umfangreiche Datentypen, etwa für Arrays, Zeiträume und JSON mit Indizes,
- Erweiterungen wie PostGIS für Geodaten,
- leistungsfähige Abfragefunktionen für Auswertungen,
- strenge Prüfung von Datentypen und Einschränkungen.
Im Webhosting begegnet Ihnen PostgreSQL vor allem bei Managed-Datenbanken, auf VPS und bei Plattformen für Python-, Ruby- oder Node.js-Anwendungen. Im klassischen Shared Hosting ist es seltener im Angebot oder nur in höheren Tarifen enthalten.
Welche Anwendung welche Datenbank nutzt
| Anwendung | MySQL | MariaDB | PostgreSQL | SQLite |
|---|---|---|---|---|
| WordPress / WooCommerce | Ja | Ja | Nein (nicht offiziell) | Nein (nicht offiziell) |
| Shopware 6 | Ja | Ja | Nein | Nein |
| Joomla | Ja | Ja | Ja | Nein |
| TYPO3 | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Drupal | Ja | Ja | Ja | Ja |
| Django, Rails, viele Node.js-Frameworks | Ja | Ja | Ja, häufig bevorzugt | Für Entwicklung |
Die genauen unterstützten Versionen ändern sich mit jeder Hauptversion der Anwendung. Prüfen Sie vor einer Tarifwahl oder einem Update die Systemanforderungen in der offiziellen Dokumentation. Hinweise zu Joomla, TYPO3 und Drupal sammelt die Seite CMS-Hosting, die Anforderungen von WordPress die Seite WordPress-Hosting.
Worauf Sie im Hosting-Tarif achten
Datenbanken werden in Tarifbeschreibungen oft nur mit einer Zahl erwähnt. Für den Betrieb wichtiger sind diese Punkte:
- System und Version: Welche Datenbank in welcher Version läuft, und wird sie vom Hersteller noch mit Sicherheitsupdates versorgt?
- Anzahl der Datenbanken: Reicht sie für Live-Seite, Staging-Kopie und weitere Projekte?
- Größenlimit: Pro Datenbank oder als Teil des gesamten Speicherplatzes?
- Verbindungen und Ressourcen: Grenzen für gleichzeitige Verbindungen und Abfragezeiten, die bei Lastspitzen greifen
- Speicher: Datenbanken profitieren stark von SSD- oder NVMe-Speicher und ausreichend Arbeitsspeicher
- Backups: Werden Datenbanken mitgesichert, und lassen sie sich einzeln wiederherstellen?
- Verwaltung: phpMyAdmin, Adminer oder bei PostgreSQL pgAdmin; Export und Import großer Dateien auch per SSH
- Externer Zugriff: Ob und wie Sie sich von außen verbinden können, etwa über einen SSH-Tunnel
Datenbanken pflegen und schnell halten
Auch eine gut ausgestattete Datenbank wird langsam, wenn sie unkontrolliert wächst. Typische Ursachen und Gegenmittel:
Aufräumen
CMS und Plugins legen Protokolle, Sitzungsdaten, Revisionen und temporäre Einträge an, die nie gelöscht werden. Regelmäßiges Aufräumen verkleinert die Datenbank und beschleunigt Sicherungen. Löschen Sie aber nichts direkt in den Tabellen, ohne vorher ein Backup zu ziehen und zu wissen, welche Anwendung die Daten nutzt.
Speicher-Engine und Zeichensatz
Für MySQL und MariaDB ist InnoDB die Standard-Engine; sie unterstützt Transaktionen und ist robuster bei Abstürzen als das ältere MyISAM. Ältere Installationen enthalten manchmal noch MyISAM-Tabellen, die sich umstellen lassen. Als Zeichensatz ist utf8mb4 die richtige Wahl, weil das ältere utf8 in MySQL nicht alle Zeichen wie Emojis speichern kann.
Objekt-Cache
Bei stark besuchten dynamischen Seiten entlastet ein Objekt-Cache wie Redis die Datenbank, indem er häufig benötigte Abfrageergebnisse im Arbeitsspeicher vorhält. Viele Managed-Tarife bieten das an, im einfachen Shared Hosting fehlt es oft.
Updates der Datenbank-Version
Hoster aktualisieren Datenbankserver in der Regel selbst und kündigen größere Versionswechsel an. Testen Sie Ihre Anwendung vorher in einer Kopie, wenn Sie die neue Version wählen können. Wie das gefahrlos geht, beschreibt der Ratgeber Staging-Umgebung einrichten.
Datenbank sichern und umziehen
Für MySQL und MariaDB ist mysqldump das Standardwerkzeug, für PostgreSQL pg_dump. Beide erzeugen eine Datei mit allen Tabellen und Daten, die sich auf einem anderen Server wieder einspielen lässt. Über die Weboberfläche phpMyAdmin klappt das bei kleinen Datenbanken ebenfalls, bei großen scheitert der Upload häufig an Zeit- oder Größenlimits. Mit SSH-Zugang umgehen Sie diese Grenzen.
Beim Umzug zwischen MySQL und MariaDB gilt: Gleiche oder benachbarte Versionen sind unkritisch. Ein Wechsel zwischen PostgreSQL und MySQL ist dagegen kein einfacher Export und Import, sondern eine Migration, die die Anwendung unterstützen muss.
Sicherheit der Datenbank
Eine Datenbank enthält oft die wertvollsten Daten einer Website: Kundenkonten, Bestellungen, Passwort-Hashes. Diese Grundregeln gelten unabhängig vom System:
- Eigener Benutzer pro Anwendung: Jede Website erhält eine eigene Datenbank mit eigenem Benutzer und starkem Passwort. Ein gemeinsamer Benutzer für mehrere Projekte vergrößert den Schaden bei einem Einbruch.
- Nur nötige Rechte: Die Anwendung braucht in der Regel Lese- und Schreibrechte auf ihre eigene Datenbank, aber keine Rechte auf andere Datenbanken oder Verwaltungsfunktionen des Servers.
- Kein offener Port: Der Datenbankserver sollte nicht direkt aus dem Internet erreichbar sein. Für den Zugriff von außen ist ein SSH-Tunnel die sichere Wahl.
- Verwaltungswerkzeuge schützen: phpMyAdmin oder Adminer gehören nicht ungeschützt auf eine öffentliche Adresse. Im Kundenmenü des Hosters sind sie in der Regel bereits abgesichert.
- Zugangsdaten außerhalb des Webverzeichnisses oder in Konfigurationsdateien mit eingeschränkten Rechten ablegen.
Auf eigenen Servern kommen regelmäßige Updates des Datenbankservers hinzu. Planen Sie größere Versionswechsel rechtzeitig, bevor die eingesetzte Version keine Sicherheitsupdates mehr erhält.
Fazit
MySQL und MariaDB decken die allermeisten Websites ab und sind im Alltag austauschbar. Wichtiger als die Marke sind eine gepflegte Version, ausreichend Ressourcen, Backups und eine aufgeräumte Datenbank. PostgreSQL ist eine starke Wahl für Eigenentwicklungen und spezielle Anforderungen, setzt aber oft einen VPS oder einen Tarif mit ausdrücklicher Unterstützung voraus. Maßgeblich sind immer die Systemanforderungen der Anwendung, die Sie betreiben.
Fragen und Antworten
- Läuft WordPress mit MariaDB genauso gut wie mit MySQL?
- Ja. WordPress unterstützt beide offiziell, und für den normalen Betrieb gibt es keinen praktischen Nachteil. Wichtiger als die Wahl zwischen beiden ist eine aktuelle, noch gepflegte Version und ein Server mit ausreichend Arbeitsspeicher für die Datenbank.
- Kann ich eine MySQL-Datenbank einfach auf MariaDB umziehen?
- Für typische CMS-Datenbanken funktioniert ein Export mit mysqldump und ein Import in MariaDB in der Regel problemlos. Schwieriger wird es, wenn die Anwendung neuere MySQL-spezifische Funktionen nutzt oder wenn Sie zwischen weit auseinanderliegenden Versionen wechseln. Testen Sie den Import immer zuerst in einer Kopie.
- Wie groß darf eine Datenbank im Shared Hosting sein?
- Das legt der Anbieter fest. Manche Tarife begrenzen jede Datenbank einzeln, andere rechnen sie auf den gesamten Speicherplatz an. Die Grenze steht in der Leistungsbeschreibung. Wachsen Protokoll- oder Statistiktabellen stark, lohnt regelmäßiges Aufräumen, bevor Sie einen größeren Tarif buchen.
- Brauche ich für meine Website PostgreSQL?
- Nur wenn Ihre Anwendung es voraussetzt oder ausdrücklich empfiehlt, etwa bei manchen Python- oder Ruby-Frameworks, Geodaten-Anwendungen oder Eigenentwicklungen. Für WordPress, WooCommerce und Shopware ist PostgreSQL keine Option, für Joomla und Drupal eine mögliche Alternative.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion HostingAS. Hinweise auf Fehler oder veraltete Angaben nehmen wir gern über das Kontaktformular entgegen.