Reseller-Hosting: Für wen lohnt es sich?
Wie Agenturen und Webdesigner Hosting unter eigenem Namen weitergeben, was das an Verantwortung mit sich bringt und wann ein eigener Kundenvertrag die bessere Lösung ist.
Reseller-Hosting lohnt sich für Agenturen, Webdesigner und IT-Dienstleister, die regelmäßig Websites für Kunden betreuen und das Hosting als eigene Leistung anbieten und abrechnen möchten. Sie mieten dafür ein Ressourcenpaket bei einem Hoster und verteilen es auf getrennte Kundenkonten, häufig unter eigenem Namen. Im Gegenzug sind Sie für Support, Rechnungen und Datenschutzverträge gegenüber Ihren Kunden zuständig. Für eine einzelne Website oder für Gelegenheitsprojekte ist das Modell nicht gedacht. Eine Übersicht aller Hosting-Modelle finden Sie unter Hosting-Arten.
So funktioniert Reseller-Hosting
Der Hoster stellt Ihnen ein Kontingent bereit: Speicherplatz, Rechenleistung, eine bestimmte Zahl an Kundenkonten, Domains und Postfächern. Über eine Verwaltungsoberfläche teilen Sie dieses Kontingent in Pakete auf und weisen sie Ihren Kunden zu. Jeder Kunde erhält ein eigenes Konto mit eigenen Zugangsdaten, das von den anderen getrennt ist.
| Rolle | Aufgaben | Vertragspartner |
|---|---|---|
| Hoster | Server, Netzwerk, Rechenzentrum, Software-Updates der Plattform, Backups nach Tarif | Reseller |
| Reseller (Sie) | Pakete schnüren, Kunden anlegen, Support, Abrechnung, Ansprechpartner bei Problemen | Hoster und Endkunde |
| Endkunde | Nutzt Website, Postfächer und gegebenenfalls eigenen Zugang | Reseller |
Technisch basiert Reseller-Hosting oft auf einem Control Panel mit Reseller-Rolle, etwa WHM/cPanel oder Plesk, oder auf einer eigenen Oberfläche des Hosters. Welche Unterschiede es zwischen diesen Systemen gibt, erklärt der Ratgeber Plesk, cPanel und Co..
White-Label: Hosting unter eigenem Namen
Viele Reseller-Tarife erlauben, dass der eigentliche Hoster für Ihre Kunden unsichtbar bleibt. Dazu gehören eigene Nameserver-Namen auf Ihrer Domain, ein Kundenmenü mit Ihrem Logo und eigene Absenderadressen für Systemmails. Wie weit das geht, unterscheidet sich je nach Anbieter. Transparenz bleibt trotzdem Pflicht, wo das Recht sie verlangt, etwa bei der Benennung von Unterauftragsverarbeitern.
Für wen sich Reseller-Hosting lohnt
Das Modell passt, wenn mehrere dieser Punkte zutreffen:
- Sie betreuen dauerhaft eine zweistellige oder größere Zahl an Kundenwebsites.
- Ihre Kunden wollen einen Ansprechpartner für Website und Technik, nicht zwei.
- Sie bieten Wartungsverträge an, in denen Hosting ein Baustein ist.
- Sie haben Prozesse für Support, Rechnungen und Kündigungen oder wollen sie aufbauen.
- Sie möchten über das Hosting eine wiederkehrende Einnahme erzielen.
Weniger geeignet ist es, wenn Sie nur wenige Websites im Jahr bauen und danach nicht weiter betreuen, wenn Kunden sehr unterschiedliche technische Anforderungen haben oder wenn Sie keine Kapazität für Support außerhalb der Bürozeiten haben.
Vorteile und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Alle Kundenseiten zentral verwaltet | Sie sind erster Ansprechpartner bei jeder Störung |
| Wiederkehrende Einnahmen | Haftung gegenüber Kunden für zugesagte Leistungen |
| Kundenbindung durch Gesamtpaket | Abrechnung, Mahnwesen und Verträge kosten Zeit |
| Getrennte Konten pro Kunde | Ressourcen teilen sich alle Kunden im Kontingent |
| Eigenes Branding möglich | Wechsel des Hosters betrifft alle Kunden gleichzeitig |
| Einkauf meist günstiger als Einzeltarife | Rechtliche Pflichten wie Auftragsverarbeitung und Unterauftragsverarbeitung |
Was ein guter Reseller-Tarif bieten sollte
- Echte Kontotrennung: Jeder Kunde hat ein eigenes Konto mit eigenen Ressourcengrenzen, damit eine kompromittierte Seite nicht alle anderen gefährdet
- Ressourcen pro Konto steuerbar: Speicher, Prozesse, PHP-Version und Datenbanken je Kunde einstellbar
- Backups pro Konto, mit Wiederherstellung einzelner Websites
- Kostenlose SSL-Zertifikate für alle Kundendomains, automatisch erneuert
- E-Mail mit Spamfilter und klaren Grenzen für Postfächer
- SFTP und SSH für Sie und auf Wunsch für einzelne Kunden
- Schnittstelle oder Abrechnungsanbindung, wenn Sie Konten automatisiert anlegen und abrechnen wollen
- Serverstandort in der EU und ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung, der Weitergabe an Endkunden abbildet
- Erreichbarer Support für Sie als Reseller, idealerweise mit festen Reaktionszeiten
- Export und Umzug: Kundenkonten lassen sich einzeln exportieren oder zu einem anderen Anbieter übertragen
Rechtliche Pflichten als Reseller
Wer Hosting weiterverkauft, wird für seine Kunden selbst zum Anbieter. Daraus ergeben sich Aufgaben, die über die Technik hinausgehen. Die folgende Übersicht ist eine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.
Auftragsverarbeitung nach DSGVO
Auf den Websites und in den Postfächern Ihrer Kunden liegen personenbezogene Daten. Ihre Kunden bleiben Verantwortliche, Sie werden Auftragsverarbeiter und brauchen mit jedem Kunden einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Der Hoster wird zu Ihrem Unterauftragsverarbeiter. Dafür brauchen Sie die Genehmigung Ihrer Kunden, und Sie müssen die Pflichten aus Ihrem eigenen Vertrag an den Hoster weitergeben. Hintergründe zum Datenschutz im Hosting finden Sie unter Serverstandort und DSGVO.
Leistungszusagen und Haftung
Sagen Sie Ihren Kunden nie mehr zu, als der Hoster Ihnen zusagt. Wenn Ihr Tarif keine vertragliche Verfügbarkeit garantiert, sollten Sie Ihren Kunden ebenfalls keine feste Prozentzahl versprechen. Legen Sie fest, wie Störungen gemeldet werden, in welcher Zeit Sie reagieren und was bei Ausfällen gilt.
Domains und Eigentum
Registrieren Sie Kundendomains auf den Namen des Kunden, nicht auf Ihre Agentur. Das vermeidet Streit bei einer Trennung und erleichtert einen späteren Umzug. Halten Sie im Vertrag fest, wie Kunden ihre Daten und ihren Auth-Code erhalten, wenn sie wechseln wollen.
Kosten und Kalkulation
Reseller-Tarife werden meist nach Kontingent abgerechnet: Speicher, Zahl der Kundenkonten und Domains. Rechnen Sie bei der Kalkulation nicht nur den Einkaufspreis ein, sondern auch:
- Ihre Zeit für Support, Updates und Rückfragen,
- Werkzeuge für Abrechnung und Kundenverwaltung,
- Domaingebühren, die je nach Endung unterschiedlich ausfallen,
- Reserven für zusätzliche Ressourcen, wenn ein Kunde stark wächst,
- den Aufwand für einen möglichen Wechsel des Hosters.
Wie Sie Hosting-Preise über die Vertragslaufzeit vergleichen und worauf Sie bei Verlängerungspreisen achten, erklärt die Seite Webhosting-Kosten.
Alternativen zum Reseller-Modell
| Modell | So funktioniert es | Geeignet für |
|---|---|---|
| Kunde schließt eigenen Vertrag | Der Kunde bucht direkt beim Hoster, Sie erhalten einen Zugang oder eine Rolle als Dienstleister | Freelancer, wenige Projekte, klare Verantwortungsteilung |
| Agentur-Tarif mit mehreren Websites | Mehrere Kundenseiten in einem Konto der Agentur | Kleine Agenturen, eng betreute Projekte, wenig Kundenzugriff |
| Eigener VPS oder Server | Sie betreiben die Plattform selbst, mit Panel und Konten für Kunden | Agenturen mit Admin-Know-how und vielen Kunden |
| Managed-Plattform mit Agenturfunktionen | Spezialisierte Anbieter mit Staging, Rollen und Kundenübergabe | WordPress-Agenturen mit Fokus auf Wartung |
Der eigene Kundenvertrag ist für viele Freelancer die sauberste Lösung: Der Kunde ist Vertragspartner des Hosters, Sie arbeiten als Dienstleister mit eigenem Zugang und tragen keine Verantwortung für Rechnungen und Ausfälle. Wann ein eigener Server sinnvoll ist, beschreibt die Seite VPS und eigene Server. Worauf Unternehmen bei Hosting allgemein achten sollten, zeigt die Seite Webhosting für Unternehmen.
Vor dem Start: Checkliste für Agenturen
Bevor Sie das erste Kundenkonto anlegen, sollten diese Punkte geklärt sein:
- Leistungsbeschreibung: Was genau ist im Hosting-Paket für Kunden enthalten, was kostet extra, etwa zusätzliche Postfächer oder Wiederherstellungen?
- Vertragsvorlagen: Hosting-Vertrag oder Abschnitt im Wartungsvertrag, Vertrag zur Auftragsverarbeitung, Regelungen zu Laufzeit und Kündigung.
- Supportzeiten: Wann sind Sie erreichbar, über welchen Kanal, und wer vertritt Sie im Urlaub?
- Notfallplan: Was tun Sie bei Ausfall, bei einer gehackten Kundenseite oder bei Spamversand aus einem Kundenkonto?
- Dokumentation: Für jeden Kunden Domains, Zugänge, eingesetzte Software und Besonderheiten zentral und geschützt ablegen.
- Ausstieg: Wie läuft ein Umzug aller Kunden, falls Sie den Hoster wechseln oder das Angebot einstellen?
Wer diese Fragen vorab beantwortet, verhindert, dass aus einer zusätzlichen Einnahme ein dauerhafter Zeitfresser wird.
Fazit
Reseller-Hosting ist ein Geschäftsmodell, kein Spartarif. Es lohnt sich, wenn Sie viele Kundenwebsites dauerhaft betreuen und bereit sind, Support, Abrechnung und Datenschutzverträge zu übernehmen. Achten Sie auf echte Kontotrennung, Backups pro Kunde, EU-Standort und einen Hoster, der Sie als Reseller unterstützt. Wer nur gelegentlich Websites baut, lässt den Kunden besser selbst den Vertrag schließen.
Fragen und Antworten
- Was ist der Unterschied zwischen Reseller-Hosting und einem Agentur-Tarif?
- Beim Reseller-Hosting legen Sie für jeden Kunden ein eigenes, abgegrenztes Konto mit eigenen Zugängen und Ressourcen an und treten meist selbst als Anbieter auf. Ein Agentur-Tarif bündelt dagegen oft mehrere Websites in einem Konto der Agentur, oder der Kunde schließt einen eigenen Vertrag und die Agentur erhält Zugriff. Die Begriffe werden von Anbietern nicht einheitlich verwendet.
- Bin ich als Reseller für Ausfälle verantwortlich?
- Gegenüber Ihren Kunden ja, soweit Sie ihnen Verfügbarkeit oder Leistungen zugesagt haben. Sie können sich im Innenverhältnis an Ihren Hoster halten, Ihr Kunde wendet sich aber an Sie. Ihre eigenen Zusagen sollten deshalb nie über das hinausgehen, was der Hoster Ihnen vertraglich garantiert.
- Brauche ich als Reseller einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
- In der Regel sogar zwei. Gegenüber Ihren Kunden sind Sie Auftragsverarbeiter und schließen mit ihnen einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Ihr Hoster ist Ihr Unterauftragsverarbeiter, mit dem Sie ebenfalls einen Vertrag brauchen. Ihre Kunden müssen über den Einsatz des Unterauftragsverarbeiters informiert sein und ihm zustimmen.
- Kann ein Kunde später ohne mich zu einem anderen Hoster wechseln?
- Das sollte möglich sein und vertraglich geregelt werden. Klären Sie vorab, wer Inhaber der Domain ist, wie der Kunde seine Daten erhält und welche Fristen gelten. Domains sollten auf den Kunden registriert sein, nicht auf die Agentur.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion HostingAS. Hinweise auf Fehler oder veraltete Angaben nehmen wir gern über das Kontaktformular entgegen.